"Wer bin ich? Wer?", fragt Mahmoud Darwish in seinem letzten langen Gedicht "Der Würfelspieler". "Wer bin ich denn, das Nichts zu enttäuschen?" Wenige Wochen später, am 9. August 2008, starb der Dichter in Texas nach einer Herzoperation und mit ihm eine Ikone des palästinensischen Volkes.

Sein lyrisches Vermächtnis "Würfelspieler" ist universal. Darwish stellt die großen existenziellen Fragen, gibt dem Zufall Raum. "Schon mit den ersten Versen des 'Würfelspielers' setzt seine schonungslose Selbstbefragung ein", schreibt sein Übersetzer, der syrisch-deutsche Dichter Adel Karasholi. Er gibt Auskunft über den Freund und Kollegen und zeigt mit seiner einfühlsamen Übersetzung, was die Dichtung Mahmoud Darwishs ist: Weltliteratur.
1941 in al Birwe bei Akko (Palästina) geboren, flüchtet Darwish 1948 in den Libanon und kehrt nach der Gründung des Staates Israel heimlich zurück. Mit dem Gedichtband "Ölbaumblätter" schafft er in den 60er-Jahren seinen literarischen Durchbruch.Er wird mehrfach in Israel gefangenen genommen und geht schließlich 1970 ins Exil. Von 1987 bis 1993 ist er Mitglied des Palästinensischen Nationalrats und unterstützt bis zu den Friedensverträgen von Oslo, die er als Verrat am palästinensischen Volk versteht, den Kurs der PLO. Zuletzt lebt er vorwiegend in Amman und Ramallah. 2008 stirbt er in Houston/Texas.
Darwish gilt als die poetische Stimme des palästinensischen Volkes, als großer Erneuerer der arabischen Lyrik und galt lange als aussichtsreicher Kandidat für den Nobelpreis. Seine Bücher sind in mehr als 35 Sprachen übersetzt.
