Mittwoch, 28. Oktober 2009

Gruesse vom Weinberg VI

heute waren wir am see genezareth und haben einige biblische stellen besucht. Wetter war heute wunderbar, die landschaft um den see war sehr beeindruckend. dann nach norden an der syrischen grenze entlang. waren in einer verlassenen siedlung und sind eine moschee hochgeklettert. Gab noch einen stopp in einer drusenstadt, wo wir eine pause eingelegt haben und essen gingen. haben uns mit dem besitzer unterhalten. sein bruder ist seit sechs jahren in syrien vermisst. war dort beim studieren und irgendwann ist der kontakt abgebrochen. es heisst immer, die drusen im nordgolan wollen wieder einen anschluss an syrien (im gegensatz zu den drusen noerdlich von haifa). es scheint aber, dass sie das baath-regiem in syrien doch nicht ganz koscher finden.....
die festung nimrod konnten wir nicht mehr besuchen, es war schon zu spaet. nun sind wir in quiriat schmona. schon seltsam, direkt hinter uns die libanesische grenze, d.h., wir sind in reichweite der hizbollah. den ganzen abend kreisen hubschrauber ueber der stadt und schuetzen sich mit pyrotechnischem feuerwerk. irgendwie seltsam.... dazu passt, dass hier, wie ueberall, reservisten mit badeklamotten und knarre rumlaufen. wie wir gerade erfahren haben, ist wohl gestern unweit von hier eine rakete auf israel abgeschossen worden.

sind recht muede. gehen frueh ins bett. morgen weiter an der libanesischen grenze nach zefat (eine fuer juden heilige stadt), dann zur burg montfort und weiter ans meer. langsam ist das ende der reise zu erahnen. wir wollen noch nach akko und caesarea, bevor es wieder nach jerusalem geht.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Gruesse vom Weinberg V

Hallo zusammen,

nachtrag zu den beduinen - nachts schlich ploetzlich ein wuestenfuchs zwischen unseren schlafsaecken herum. kurt vertrieb ihn, leider floh er ueber axels schlafsack, was nicht ohne schrammen abging... am morgen waren dann die sandalen von kurt weg. wir wussten aber nicht so genau, ob das jetzt der fuchs war oder die beduinen... einen kann der schon klauen, aber gleich zwei? vor allem haben wir einen der jungs am vorabend an einer rast an einem kiosk beobachtet, wie er wie ein rabe klaute.... na ja, so ist das . . .

heute waren wir in bet shean und haben uns die ausgrabungen angesehen. hier stand mal eine grosse roemerstadt bzw. die byzantinische nachfolgerstadt. ein grosses, sehr beeindruckendes gelaende, auf dem wir uns ziemlich lange aufgehalten haben. am nachmittag nach norden, wieder an eine der stellen, wo man im jordan getauft werden kann. haben unsere fuesse in den jordan gehalten und uns die fuesse von den fischen anknabbern lassen. bei tiberias haben wir noch einen abstecher nach hittin gemacht, dort fand die entscheidende schlacht zwischen saladins mannen und den kreuzrittern statt, hier sollen an die 30 000 mann getoetet und noch mal so viel in gefangenschaft geraten sein. eine wirklich sehr beeindruckende landschaft, das schlachtfeld liegt an den sogenannten hoernern von hittin, einer wilden vulkanlandschaft. laue 27 grad beim sonnenuntergang und der aufgehende mond. wunderschoen. nun sind wir am see genezareth. morgen schauen wir uns ein paar christliche staetten an, bevor es in den golan und an die libanesische grenze geht. da wir noch draussen schlafen wollen, wird es erstmal kein internet mehr geben.

das fuer heute, allen liebe gruesse aus israel. stephan

Montag, 26. Oktober 2009

Gruesse vom Weinberg IIII

hallo zusammen,

gestern sind wir den ganzen tag bei mindestens 35 Grad auf den berg massada herumgestiegen. mit der seilbahn hoch, dann zu fuss runter, wir wollten durch ein wadi zum auto zurueck. aber das war dann doch zu gef'aerhlich. den berg wieder rauf und schliesslich auf der anderen seite wieder runter. wir waren fertig... dann haben wir an einem kleinen flugplatz bei beduinen uebernachtet. teppiche, bunte lampen, wasserpfeife etc. recht schoen auf einem matratzenlager im freien. nur gab es heute morgen eine boese ueberraschung, als sie ploetzlich einen recht hohen fantasiepreis fuers uebernachten haben wollten. axel wollte die lage noch klaeren, der oberchef hat dann wohl ein bisschen mit seiner pistole gespielt... dann sind wir einfach ab durch die mitte....
mittags waren wir in jericho. wie hebron eine recht chaotische, arabische stadt. haben ein bisschen eingekauft (moderate preise, kaum zu glauben, dass wir den effendi-zuschlag diesmal fast nicht zahlen mussten. dann noch einen alten sultanspalast angeschaut, bevor es nach norden ging. sind nun in bet shean, wo wir uebernachten. morgen sehen wir uns die riesigen roemischen ausgrabungen an, bevor es weiter rein nach galilaea geht und in den golan.

herzliche gruesse stephan

Samstag, 24. Oktober 2009

Gruesse vom Weinberg III

hallo zusammen,

gestern haben wir das land verlassen und sind ans tote meer gefahren. waren erst mal schwimmen und haben in der jugendherberge aufgetankt. heute geht es nach masada, dann wollen wir wieder richtung norden. hier ist es ziemlich heiss, haben in der frue schon an die 30 Grad.

die letzte nacht auf den weinberg war nicht gut. nachts um eins kam die armee, sie haben das tor aufgebrochen, ein weiteres niedergewalzt und sind ueber das gelaende. ist nicht schoen, nachts von einem taschenlampenstrahl und einer gewehrmuendung geweckt zu werden.... dann mussten wir uns anziehen, nach draussen. letztendlich ist dann nicht viel passiert. aber der vorfall zeigt, dass der friede noch weit entfernt ist....

bis dann, heryliche gruesse stephan

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Grueße vom Weinberg II

Hallo zusammen,

gestern haben wir vormittags auf dem land gearbeitet, nachmittags waren wir in Bethlehem. Heute Vormittag gings weiter mit dem Ausbudeln von Löchern (neuer Stall für Pferde unterirdisch). Am Nachmittag waren wir in Hebron und wurden von einem Peace-Maker-Team durch die Stadt geführt. Alles sehr frustierend.... Wir waren auch in der Moschee und haben das Grab von Abraham besucht. Am Abend zog es auf dem Weinberg zu. Zwar kein Regen, aber etwas kalt (ca. 18 Grad). Morgen wollen wir nach Jerusalem. Das für heute, herzliche Grueße aus dem Heiligen Land.

Stephan

Montag, 19. Oktober 2009

Gruesse vom Weinberg!

wir sind hier gut angekommen und sind nun seit zwei tagen auf dem weinberg. wetter wunderbar, es gibt hier viel zu tun. ich soll euch herzlich von der familie nassar und kurt und axel grueßen. morgen geht es nach bethlehem und die tage nach jerusalem. morgen wollen wir mal versuchen, der siedlung newe daniel einen besuch abzustatten. mal sehen, ob sie uns reinlassen.

herzliche grueße stephan

Dienstag, 22. September 2009

Buchtipp: "Wo Israel anfängt und endet"

Der Architekt Munio Weinraub und sein Sohn, der Filmemacher Amos Gitai

Wohnhochhäuser im kubisch-absolutistischen Stil Le Corbusiers, aber so an einem Steilhang gelegen, dass sie von der oberen Straße aus über eine Brücke auf halber Höhe angesteuert und über ein allseits offenes Stockwerk nach unten und oben erschlossen werden. Schul-, Versammlungs- und Sozialbauten, die sich auf radikal konsequente Weise klassischer Bauhaus-Prinzipien bedienen. Oder ein Synagogenraum mit seitlichen Emporen und mächtiger halbrunder Apsis, der um 1950 auch als moderner Kirchenbau in Deutschland Ehre eingelegt hätte, mit seiner riesigen Lichtöffnung in Form eines Davidsterns in der Decke aber einen anderen Weg zum Himmel sucht. Drei eigenwillig moderne, höchst einprägsame Beispielbauten - sie beweisen den hohen Rang der Aufbau-Architektur in den vierziger bis sechziger Jahren im jungen Staat Israel.

Wie Hunderte anderer Bauten im vergleichbaren Stil - Siedlungshäuser, Forschungs- und Regierungsbauten, Krankenhäuser, Kibbuzim, Schulen, Kultur- und Gewerkschaftsbauten - wurden sie von Munio Weinraub entworfen, einem Architekten, der, 1909 in Polen geboren, in Deutschland am Bauhaus in Dessau und Berlin sowie in Frankfurt am Main studiert hat. Im Jahr 1934 hat Weinraub einen Antrag auf Einreise nach Palästina gestellt, wo er schon bald nach seiner Ankunft ins öffentliche Baugeschehen einbezogen wurde und 1937 mit Al Mansfeld als Partner ein Architekturbüro gründen konnte.



Nicht nur mit dem Siegerentwurf im Wettbewerb für das neue Regierungsviertel Kiryah in Jerusalem ist dieses Büro bekannt geworden, auch der Erstentwurf für die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geht auf die Entwürfe dieses Teams und auf die atmosphärisch suggestiven, raumhaltigen Handzeichnungen Weinraubs zurück.

Dass der Nachlass dieser Gründerfigur, der ja immerhin einen beträchtlichen Teil der Architekturgeschichte des Staates Israel nachvollzieht oder wenigstens prominent beleuchtet, im vergangenen Jahr der Architektursammlung der Technischen Universität München vermacht worden ist, kann man durchaus als museumspolitisches Ereignis feiern, ganz sicher aber als großen Vertrauensbeweis für das Münchner Sammlungs- und Forschungsinstitut, das sich nicht erst seit der Eröffnung der Pinakothek der Moderne mit einer ungewöhnlich dichten Serie international bedeutender Ausstellungen als kritischer Interpret der Architekturgeschichte und als Forum der aktuellen Baukultur höchstes Ansehen erworben hat.

Gründung und Toleranzgrenzen
Bei einer so spektakulären Transaktion von geistigem Eigentum über Grenzen hinweg ist aber nicht nur der Beschenkte, sondern auch der, der die Stiftung veranlasst hat, von größtem Interesse. Es war Munio Weinraubs Sohn Amos Gitai - der bedeutendste und in seiner kritischen Unruhe wohl auch kreativste Filmemacher Israels, der die riesige architektonische Hinterlassenschaft seines Vaters nach München gegeben hat.

Dort im räumlich beengten, aber mit Nachlässen prominent bedachten Institut der Universität war man sich der Außerordentlichkeit dieses Vermächtnisses sehr wohl bewusst. Winfried Nerdinger hat als Direktor des Münchner Architekturmuseums sowohl die Spende als auch den Spender mit einem Dokumentarwerk gewürdigt, das sich ähnlich weit über die Normalität und über die Konventionen erhebt wie die Spende selber: Mit einer gründlich vorbereiteten Ausstellung, mit Filmvorführungen, Vorträgen und Podiumsdiskussionen hat das Architekturmuseum das individuelle Lebenswerk der beiden Künstler in der Pinakothek der Moderne in all seinen Verästelungen vorgestellt.

Das eigentliche Ereignis ist aber die mächtige Publikation, die dabei entstanden ist und die von der einen Seite als umfassende Anthologie des architektonischen Lebenswerks von Munio Weinraub zu erleben und zu erblättern ist, von der anderen Seite sich aber als analytisches Kompendium zum umfangreichen Dokumentar- und Spielfilmwerk Amos Gitais erleben lässt. Selten dürfte einem Filmautor, der sich in seinen Fünfzigern befindet, eine so dichte und so umfassend bebilderte Würdigung seines Werks gewidmet worden sein. Auch wer nicht alle Texte im Buch liest, bekommt eine intensive Vorstellung vom kritisch-humanen Anspruch des Filmkünstlers Amos Gitai, vom pessimistischen Elan seiner Spielfilme, die den emotionalen Mutationen in der globalisierten Welt auf der Spur sind, und vom kompromisslosen Wahrheitsanspruch des Realitätensammlers, der mit seinen Langzeitdokumentationen - etwa über die Lebensumstände der Palästinenser in Israel - mehrfach die Toleranzgrenzen seiner Heimat ausgelotet hat.

MUNIO WEINRAUB / AMOS GITAI: Architektur und Film in Israel. Herausgegeben von Winfried Nerdinger. Deutsch und Englisch. Edition Minerva, München 2008. 408 Seiten, 580 Abbildungen, davon 290 in Farbe, 35 Euro.